Das verlorene Echo: Warum wir in einer lauten Welt das echte Zuhören neu lernen müssen
Wir leben in einer Zeit der permanenten Kommunikation. Unsere Smartphones vibrieren ununterbrochen, E-Mails fluten die Posteingänge, und soziale Medien suggerieren uns, dass wir ständig vernetzt sind. Wir senden, liken, teilen und kommentieren. Doch paradoxerweise fühlen sich immer mehr Menschen in diesem Lärm zutiefst einsam und unverstanden. Es ist, als würden wir alle rufen, aber niemand hält inne, um die Antwort wirklich aufzunehmen.
In meiner Praxis in Villach und in meinen Online-Sitzungen begegne ich täglich Menschen, die gut funktionieren. Sie erfüllen ihre Rollen als Angestellte, als Eltern, als Partner oder als „Expats“ in einer neuen Kultur. Doch wenn die Tür hinter ihnen zugeht und der Lärm der Welt draußen bleibt, kommt oft eine leise, schmerzhafte Wahrheit ans Licht: Das Gefühl, den Kontakt zu sich selbst verloren zu haben.
„Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich will“, ist ein Satz, den ich oft höre. Oder: „Ich rede den ganzen Tag, aber ich habe das Gefühl, niemand hört mich wirklich.“
Genau hier setzt meine Arbeit als personzentrierte Psychotherapeutin an. Mein Leitsatz „ZUHÖREN bedeutet zu hören, zu fühlen, zu achten“ ist keine bloße Floskel. Es ist die Basis für seelische Heilung. In diesem ausführlichen Artikel möchte ich Sie mitnehmen auf eine Reise in die Tiefe der therapeutischen Begegnung. Ich möchte erklären, warum das „einfache“ Zuhören eine so transformative Kraft hat, wie wir Krisen als Wegweiser nutzen können und warum es nie zu spät ist, sich selbst wiederzufinden.
1. Der personzentrierte Ansatz: Die heilsame Kraft der Begegnung
Wenn Klienten zum ersten Mal in meine Praxis kommen, bringen sie oft die Erwartung mit, dass ich ihnen wie eine Ärztin ein „Rezept“ für ihr Leben ausstelle. Sie hoffen auf schnelle Ratschläge: „Sagen Sie mir einfach, was ich tun soll, damit der Schmerz aufhört.“
Das ist verständlich. Wir sind es gewohnt, Probleme technisch zu lösen. Doch die menschliche Seele lässt sich nicht wie ein kaputter Motor reparieren. Carl Rogers, der Begründer der personzentrierten Psychotherapie, hat eine revolutionäre Erkenntnis in den Mittelpunkt gestellt: Jeder Mensch trägt die Lösung für seine Probleme bereits in sich. Wir nennen das die „Aktualisierungstendenz“ – das innewohnende Bestreben jedes Organismus, sich zu entfalten, zu wachsen und gesund zu werden.
1.1 Warum Ratschläge oft nicht funktionieren
Warum helfen uns dann gut gemeinte Ratschläge von Freunden oft nicht weiter? Weil Ratschläge meist aus der Welt des anderen kommen, nicht aus unserer eigenen. Ein Ratschlag ist oft ein „Schlag“. Er impliziert: „Ich weiß es besser als du.“
In der Therapie mache ich etwas anderes. Ich trete einen Schritt zurück und öffne einen Raum, in dem Sie sich selbst wieder hören können. Wenn der Lärm der Erwartungen anderer leiser wird, wird die eigene innere Stimme wieder hörbar. Es ist ein Prozess des Freilegens, nicht des Hinzufügens.
1.2 Die drei Säulen meiner therapeutischen Haltung
Damit dieser Prozess gelingen kann, bedarf es einer ganz bestimmten Atmosphäre. In meiner Arbeit stütze ich mich auf drei unverzichtbare Säulen, die den sicheren Rahmen bilden:
- Einfühlsames Verstehen (Empathie): Dies geht weit über normales Mitleid hinaus. Ich versuche, Ihre innere Welt so präzise zu spüren, als wäre es meine eigene – jedoch ohne mich darin zu verlieren. Ich möchte verstehen, wie sich Ihre Angst anfühlt, nicht wie sich Angst im Allgemeinen anfühlt. Wenn Sie sich in diesem tiefen Sinne verstanden fühlen, lässt die innere Anspannung oft augenblicklich nach.
- Unbedingte Wertschätzung: In unserem Alltag werden wir ständig bewertet. In der Schule, im Job, sogar in Beziehungen. In meiner Praxis fällt diese Bewertung weg. Egal, wofür Sie sich schämen, egal, welche „dunklen“ Gedanken Sie haben: Ich begegne Ihnen mit warmherziger Akzeptanz. Sie müssen sich hier nicht verstellen, um „gut genug“ zu sein.
- Echtheit (Kongruenz): Ich verstecke mich nicht hinter einer professionellen Experten-Maske. Ich bin als Mensch anwesend, greifbar und ehrlich. Vertrauen kann nur entstehen, wenn das Gegenüber authentisch ist.
2. „Lost in Translation“ – Wenn die Seele die Sprache verliert
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit, der mir auch biografisch sehr am Herzen liegt, ist die Begleitung von englischsprachigen Klienten und sogenannten „Expats“ (Expatriates). Bedingt durch den Beruf meines Mannes habe ich selbst mehrere Jahre in den USA und in Südostasien gelebt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das Neue und Aufregende plötzlich in ein Gefühl der Fremdheit kippt.
2.1 Der Expat-Zyklus: Von der Euphorie zur Krise
Viele Menschen, die aus beruflichen oder privaten Gründen ihr Heimatland verlassen, erleben ähnliche Phasen. Zuerst ist da die „Honeymoon-Phase“: Alles ist neu, das Essen schmeckt aufregend, die Landschaft ist schön. Doch dann folgt oft der Kulturschock. Die kleinen Dinge werden mühsam. Man versteht die feinen sozialen Codes nicht. Der Aufbau echter Freundschaften ist mühsamer als gedacht. Das soziale Netz, das einen früher aufgefangen hat, ist tausende Kilometer entfernt. Man fühlt sich isoliert, obwohl man unter Menschen ist.
Für die Partner, die „mitgereist“ sind (oft „Trailing Spouses“ genannt), kommt oft ein massiver Identitätsverlust hinzu. Man war früher Anwalt oder Lehrerin, und plötzlich ist man „nur“ noch der Partner von jemandem, kümmert sich um die Kinder und kämpft mit der Bürokratie in einer fremden Sprache.
2.2 Warum Therapie in der Muttersprache (oder Englisch) so wichtig ist
Sprache ist mehr als Vokabular. Sprache ist das Gefäß für unsere Emotionen. Es ist unglaublich anstrengend, über tiefen seelischen Schmerz in einer Sprache zu sprechen, die man erst lernt. Man sucht nach Worten, kontrolliert die Grammatik – und verliert dabei den Kontakt zum Bauchgefühl.
Deshalb ist mein Angebot „Psychotherapy in English“ so essenziell. Es erlaubt internationalen Klienten in Villach und Kärnten (oder online weltweit), die mentale Kontrollinstanz auszuschalten. Wenn Sie einfach „fließen lassen“ können, kommen wir viel schneller an die eigentlichen Themen heran. Ich verstehe nicht nur die Sprache, sondern auch den kulturellen Kontext des „Fremdseins“. Es ist ein Raum, in dem Sie nicht übersetzen müssen, wer Sie sind.
3. Kinder und Jugendliche: Wenn Worte fehlen
Unsere Kinder wachsen in einer Welt auf, die sich rasend schnell dreht. Der Leistungsdruck in der Schule nimmt zu, soziale Medien schaffen unrealistische Vergleichsbilder, und globale Krisen verunsichern auch die Kleinsten. Als Mutter eines Sohnes und durch meine Zusatzausbildung zur Säuglings-, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin liegt mir diese Altersgruppe besonders am Herzen.
3.1 Kinder zeigen Not nicht immer durch Traurigkeit
Erwachsene können oft sagen: „Ich bin deprimiert.“ Kinder können das meist nicht. Sie zeigen ihr seelisches Ungleichgewicht durch Verhalten, das für Eltern oft anstrengend oder unverständlich ist. Das Kind, das plötzlich aggressiv wird oder Wutanfälle bekommt, ist oft nicht „böse“, sondern verzweifelt. Andere Kinder nässen wieder ein, obwohl sie schon trocken waren, oder klagen über Bauchschmerzen, für die der Kinderarzt keine Ursache findet. Wieder andere ziehen sich komplett zurück und verstummen.
Oft werden diese Kinder als „schwierig“ abgestempelt. In der Therapie schauen wir hinter das Verhalten. Das „auffällige“ Verhalten ist oft ein verzweifelter Lösungsversuch des Kindes für ein Problem, das es nicht benennen kann.
3.2 Die Sprache des Spiels
In der Kinderpsychotherapie ist das Spiel das wichtigste Medium. Im Spiel inszeniert das Kind seine innere Welt. Wenn ein Kind im Sandkasten eine Mauer baut, die niemand überwinden darf, erzählt es vielleicht von seinem Bedürfnis nach Schutz vor einer übergriffigen Welt. Wenn Puppen gegeneinander kämpfen, geht es vielleicht um Konflikte, die es zu Hause wahrnimmt. Ich deute das nicht wild, sondern ich spiele mit. Ich gebe dem Kind im Spiel die Kontrolle zurück, die es im Alltag oft nicht hat. Das stärkt das Selbstvertrauen und löst Blockaden auf einer Ebene, die Worte nicht erreichen können.
3.3 Jugendliche: Die Suche nach dem Ich
Für Teenager ist die Situation anders. Sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen Kindsein und Erwachsenwerden. Der Körper verändert sich, die Hormone spielen verrückt, und die Abnabelung von den Eltern ist ein notwendiger, aber schmerzhafter Prozess. Hier biete ich mich als neutrale Vertrauensperson an. Ich bin weder Lehrer noch Elternteil. Ich bewerte nicht, ob die Hausaufgaben gemacht sind.
Ich höre zu, wenn es um Liebeskummer, Mobbing, Zukunftsangst, Fragen zur sexuellen Orientierung oder Identität geht. Jugendliche brauchen das Gefühl, ernst genommen zu werden, ohne belehrt zu werden. Wenn sie spüren, dass sie hier „sein dürfen“, öffnen sie sich oft erstaunlich schnell.
4. Wenn der Körper streikt: Burnout und psychosomatische Beschwerden
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. „Höher, schneller, weiter“ ist das Mantra. Viele Menschen, die zu mir kommen, haben jahrelang Raubbau an ihren eigenen Ressourcen betrieben. Sie haben die Signale ihres Körpers ignoriert, bis dieser die Notbremse gezogen hat.
4.1 Die Spirale in das Burnout
Burnout ist keine Modekrankheit und kein Zeichen von Schwäche. Es trifft oft gerade die Engagierten, die Perfektionisten, die Menschen mit viel Empathie, die nicht „Nein“ sagen können. Der Weg ins Burnout verläuft oft schleichend über Jahre:
- Phase 1: Der Zwang, sich zu beweisen. Man arbeitet mehr, macht weniger Pausen.
- Phase 2: Verdrängung von Bedürfnissen. Schlaf, Sport und Freunde werden als „Zeitverschwendung“ gesehen.
- Phase 3: Umdeutung von Werten. Was einem früher wichtig war (Hobbys, Familie), verliert an Bedeutung. Die Arbeit oder die Pflichterfüllung dominiert alles.
- Phase 4: Innere Leere, Zynismus und schließlich der körperliche oder psychische Zusammenbruch.
In der Therapie geht es nicht darum, Sie so schnell wie möglich wieder „funktionsfähig“ für den Arbeitsmarkt zu machen. Es geht darum, zu verstehen, welche inneren Glaubenssätze („Nur wenn ich leiste, bin ich wertvoll“) Sie in diese Situation gebracht haben. Wir arbeiten daran, den eigenen Wert unabhängig von Leistung zu spüren. Das ist der beste Schutz vor einem Rückfall.
5. Trauer, Verlust und Lebenskrisen: Wenn die Welt stillsteht
Das Leben hält nicht nur Erfolge bereit, sondern auch schmerzhafte Abschiede. Als ehemalige diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester habe ich viel Erfahrung im Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden. Ich habe gelernt, dass der Tod und die Trauer zum Leben gehören – auch wenn wir sie in unserer Gesellschaft gerne ausklammern.
5.1 Trauer braucht Raum
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, eine Beziehung zerbricht oder ein Lebenstraum platzt, ist das ein massiver Einschnitt. Das Umfeld reagiert oft hilflos. Nach wenigen Wochen wird oft erwartet, dass man wieder „zur Tagesordnung“ übergeht. Doch Trauer lässt sich nicht takten. In meiner Praxis darf die Trauer so sein, wie sie ist.
Sie darf wütend sein auf das Schicksal. Sie darf stumm und erstarrt sein. Sie darf widersprüchlich sein (Trauer und Erleichterung zugleich, etwa nach langer Krankheit). Ich begleite Sie dabei, das Unfassbare Schritt für Schritt in Ihre Biografie zu integrieren. Es geht nicht um „Loslassen“ im Sinne von Vergessen, sondern darum, eine neue Form der inneren Beziehung zum Verlorenen zu finden, die ein Weiterleben ermöglicht.
6. Angst und Depression: Den Nebel lichten
Angststörungen und Depressionen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen psychotherapeutische Hilfe suchen. Bei Angst ist das System in ständiger Alarmbereitschaft. Man vermeidet Situationen (Supermärkte, Menschenmengen, Autofahren), und der Lebensradius wird immer kleiner. Angst lügt uns oft an und sagt: „Es wird schrecklich werden.“
Bei der Depression legt sich ein grauer Schleier über alles. Freude, Antrieb und Hoffnung scheinen unerreichbar. Alles ist schwer, selbst das Aufstehen am Morgen.
Personzentrierte Therapie wirkt hier durch Beziehung. Die Erfahrung, dass ich als Therapeutin die Hoffnung für Sie mittrage, wenn Sie selbst keine haben, kann lebensrettend sein. Wir suchen gemeinsam nach den winzigen Rissen im grauen Nebel, durch die wieder Licht fällt. Wir aktivieren Ressourcen, die verschüttet, aber nicht weg sind. Und wir lernen, gnädig mit uns selbst zu sein, wenn es mal einen schlechten Tag gibt.
7. Online-Therapie: Hilfe, die zu Ihnen kommt
Die Zeiten haben sich geändert, und die Psychotherapie hat sich mitentwickelt. Seit der Corona-Pandemie biete ich verstärkt Online-Beratung an. Anfangs waren viele skeptisch: „Kann über einen Bildschirm wirklich Nähe entstehen?“
Meine Erfahrung ist ein klares Ja. Für viele Klienten ist die Online-Therapie sogar ein Segen. Es senkt die Hemmschwelle enorm. Es fällt oft leichter, das erste Gespräch vom sicheren Sofa aus zu führen als in eine fremde Praxis zu gehen. Zudem bietet es maximale Flexibilität: Für Mütter mit kleinen Kindern, die keinen Babysitter haben, für beruflich stark eingespannte Menschen oder für Personen, die viel reisen, ist dies oft die einzige Möglichkeit, kontinuierlich an sich zu arbeiten. Auch wenn Sie nicht in Villach oder Kärnten wohnen, können wir so zusammenarbeiten.
8. Der erste Schritt: Mut zur Veränderung
Vielleicht lesen Sie diesen Text und spüren eine Resonanz. Vielleicht erkennen Sie sich in den Beschreibungen des Burnouts, der Expat-Einsamkeit oder der Sorge um Ihr Kind wieder. Und vielleicht spüren Sie gleichzeitig ein Zögern. „Ist mein Problem wirklich groß genug?“ „Schaffe ich das nicht alleine?“ „Was werden die anderen denken?“
Lassen Sie mich Ihnen sagen: Sie müssen es nicht alleine schaffen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Unterstützung zu holen, sondern ein Zeichen von Intelligenz und Selbstfürsorge. Psychotherapie ist eine Investition in Ihre Lebensqualität, die Ihnen niemand mehr nehmen kann.
8.1 Wie wir starten
Der Weg beginnt ganz einfach. Sie schreiben mir eine E-Mail oder rufen mich an. Wir vereinbaren ein Erstgespräch. In diesem Gespräch geht es vor allem um eines: Wir schauen, ob die „Chemie“ stimmt. Sie erzählen mir, was Sie bedrückt, und ich erkläre Ihnen, wie wir arbeiten können. Wenn Sie sich wohl und sicher fühlen, vereinbaren wir weitere Termine.
In meiner Praxis in Villach (Business Center Parkhotel) biete ich Ihnen einen geschützten Raum abseits des Alltags. Diskretion ist dabei mein oberstes Gebot.
Fazit: Ihr Leben darf sich wieder leicht anfühlen
„Das Schöne am Leben ist niemals verloren“ – dieser Satz begleitet mich. Selbst in den dunkelsten Krisen gibt es Potenziale für Wachstum und Neuanfang. Ich habe es bei unzähligen Klienten erlebt: Wie aus Erstarrung wieder Bewegung wurde. Wie aus Sprachlosigkeit wieder Ausdruck wurde. Wie aus Verzweiflung wieder Zuversicht wurde.
Ich lade Sie herzlich ein, diesen Weg zu gehen. Als Mensch. Als Individuum. In Ihrer Einzigartigkeit.
Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.
Herzlichst,
Ihre Katja Bulfon


